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Etwas andere Neujahrsgrüße 3

Yubidooh

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Etwas andere Neujahrsgrüße 3

Kategorie: Ernährung (7.1.2018)

... Aß auch mal emotional, weil auch das menschlich und natürlich ist. Und dennoch passierte nichts Tragisches. Im Gegensatz zu allen früheren Malen, in denen ich Diäten über Bord geworfen hatte, nahm ich nicht in kürzester Zeit ca. 5kg zu. Mit dem Wissen, dass ich essen konnte, was ich wollte, kam das Verlangen nach einer abwechslungsreichen Ernährung und die Lust auf hauptsächlich nährstoffdichte Lebensmittel. Man lernt, seinem Körper zuzuhören, indem man auf Hunger und Sättigung achtet, und erkennt, was ihm wirklich guttut. Und das kann auch mal ein Stück Schokolade umfassen.

Ich hatte zwischendurch aufgehört, mich zu wiegen, wollte meinen Selbstwert nicht mehr von einer Zahl abhängig machen. Als ich viele neue Hosen brauchte, wog ich mich doch mal wieder - und konnte kaum glauben, dass ich bei 52kg angekommen war, einem BMI von 20. Im Gegensatz zu der Phase des Kalorienzählens, in der ich am leichtesten war, fühlte ich mich nicht völlig ausgelaugt und obsessiv, sondern voller Energie und Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Wer will schon mit 80 auf einer Bank sitzen, und feststellen, dass er sich im Leben hauptsöchlich mit Abnehmen beschäftigt hat?

Damit will ich nun nicht sagen, dass Kalorienzählen Schwachsinn ist. Aber wer - wie ich - sein Selbstwertgefühl von einem bestimmten Look oder Zahlen abhängig macht, ist auch bei Kalorienzählen in Gefahr, in eine Essstörung abzurutschen, denn nichts anderes hatte ich damals entwickelt. Erst mit den vielen sehr genauen Richtlinien, die ich mir angeeignet hatte, gab es so viele Möglichkeiten, es zu versauen. Erst Tabus erzeugen das Verlangen, sie zu sprengen. Ohne Diäten hätte ich niemals Binges gehabt. Und auch nur, wer Essen so emotional behaftet, kann so exzessiv emotional essen, wie ich es tat.

Was ich also sagen will, ist, dass es ein Leben ohne all diese Obsessionen gibt, das nicht zwangsläufig ungesund sein muss. ...

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Diese Antwort wurde von SisterSinister entfernt. 8.1.2018, 10:28

Madame J... 8.1.2018, 12:06 

Liebe Yubidooh, vor einiger Zeit habe ich Deine damaligen Einträge zum Thema "intuitives Essen" mit großem Interesse gelesen - das war vor ein paar Monaten; zu einer Zeit, als ich merkte, wie die Tendenz bei mir wieder einmal Richtung Essstörung geht und ich anfing, mich für dieses Thema zu interessieren. Das ist nun etwa ein halbes Jahr her, und mittlerweile bin ich in therapeutischer Behandlung, um die "emotionalen Baustellen", die mich seit der Kindheit zu "MadameJojo" werden lassen, nach und nach aufzulösen.

Damals wie heute habe ich den Eindruck, dass Dir dieser "Wechsel" von der Diäterei hin zum so simpel klingenden Grundsatz "essen, wenn ich Hunger habe, aufhören, wenn ich satt bin" leicht gefallen zu sein scheint. Oder täusche ich mich da? Das würde mich für Dich ehrlich freuen und fände ich klasse, aber es ist für mich schwierig vorstellbar, dass man das Emotionale, das einen immer und immer wieder hungerlos zu essen verleitet, so ohne weiteres abgelegt werden kann.

Ich gebe offen zu, dass ich täglich am Kämpfen bin und dass es viele Tage gibt, an denen ich auf die emotionale Schiene rutsche, wenn ich nicht strikt Kalorien zähle. Dennoch habe ich für mich beschlossen, es diesmal auszuhalten - auch wenn dieser Prozess unweigerlich mit einer Gewichtszunahme einhergeht - weil ich endlich aus diesem Teufelskreis aus Zu- und Abnahme herauskommen möchte. Ich will das schlichtweg nicht mehr. Und ich weiß, dass eine erneute Abnahme durch bloßes Kalorienzählen bei mir aus diesen emotionalen Gründen nicht von Dauer ist.

Vielleicht magst Du schreiben, wie es Dir bei dieser Umstellung ergangen ist - mich würde das sehr interessieren.

Yubidooh 8.1.2018, 12:22 

Liebe Madame Jojo, es gibt noch einen vierten Teil zu dem Text, bei dem ich leider vergessen habe, die Überschrift zu ändern. ;)
Aber nein, es ist mir nicht leicht gefallen. Ich hatte diverse Ängste, unter anderem über die Maßen fett zu werden, denn anfangs aß ich ja fast nur angstbesetzte Lebensmittel. Außerdem war mir damals noch nicht klar, dass Kontrolle und Selbstkasteiung nicht die einzigen Wege sind, mit sich selbst umzugehen, wenn man etwas verändern will. Aber ich hatte das Gefühl, keine andere Wahl mehr zu haben. Ich hatte ja eh schon Fressanfälle, obwohl ich noch versuchte, Kalorien zu zählen. Noch dazu bin ich schon immer ein reflektierter Mensch und es war mir durchaus bewusst, dass es nicht gerade meinen eigentlichen Vorstellungen von Menschlichkeit entsprach, welchen Idealen ich hinterherhechelte. Ich würde niemals jemanden einen Versager nennen, weil er ein paar Kilo zunimmt, und Lookismus stehe ich wie jeder anderen Form der Dsikriminierung äußerst kritisch gegenüber - was mich nicht davon abgehalten hat, mich selbst als die große Ausnahme zu sehen, die widerlich war, wenn sie nicht schlank und fit war. Ich kämpfte mit meiner Wut auf all das auch gegen meine eigenen Glaubenssätze an. Es war eine schleichende Umgewöhnung. Und es hat geholfen, sich in dieser Phase nicht mehr mit Diet-Talk und populärkulturellen Trends zu umgeben, die die Ideale immer wieder aufrufen, die ich abzuschütteln versuchte - kein Instagram, keine Clean Eating und Fitness Seiten mehr, kein Lesen mehr hier im Fragenbereich. Fernsehen habe ich eh nicht. Heute interessiert mich das Zeug auch gar nicht mehr - und ich finde, dass das mein Leben unheimlich bereichert. Ich fand schon immer, dass es viele Arten von Schönheit gibt, und heute kann ich noch mehr Facetten davon sehen, weil ich mich nicht mehr so massiv steuern lasse. Das hat aber lange gedauert, da ich schon von klein auf in dem Glauben erzogen wurde, die größte weibliche Qualität sei ihr Aussehen. Man darf wütend werden!

Yubidooh 8.1.2018, 12:26 

Es erfordert anfangs eine Menge Mut, weil man eben nicht mehr bewusst auf etwas hinarbeitet, und es die Möglichkeit gibt, dass man zunimmt, bevor man überhaupt wieder so viel mentales Gleichgewicht hat, auf seinen Körper zu hören. Im Nachhinein erst bin ich überzeugt davon, dass auch das es wert gewesen wäre - auch wenn es mir zum Glück nicht passiert ist - was ist schon eine Phase der Zunahme gegen ein freies und gesundes Leben? Sie ist es wert.

juniper.... 8.1.2018, 12:36 

Schön von Dir zu hören. Vor allem letztendlich positiv.

"Was ich also sagen will, ist, dass es ein Leben ohne all diese Obsessionen gibt, das nicht zwangsläufig ungesund sein muss. ..."

Wie wahr. Es hilft auch ungemein, weder Kalorien zählen noch die Fixierung auf Sport oder niedrigen BMI oder sonstwas ins Extrem zu führen.

Yubidooh 8.1.2018, 13:00 

.... Es gibt noch einen Teil 4, den habe ich nur versehentlich nicht mit einer Überschrift versehen. Eine Frage weiter oben. ;)

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